11.06.2010, 11:32 Uhr

11.06.10 | PNN (Quelle: www.pnn.de)
Arbeitskampf am „Bergmann“: Weitere Sondierungsrunde, Klinikum weist Verdi-Vorwürfe zu „Wellness-Oase“ der Geschäftsführung zurück / Bretz attackiert Jakobs

Auch nach den Sondierungsgesprächen am Mittwochabend geht der Arbeitskampf am Klinikum „Ernst von Bergmann“ weiter. Allerdings einigten sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite auf ein weiteres Treffen am 22. Juni. Zwischen den Parteien habe „eine konstruktive Atmosphäre“ geherrscht, hieß es vonseiten der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Jedoch werde vorerst weiter am Streik festgehalten. Die Klinikleitung wollte die Verhandlungen unter Verweis auf „Vertraulichkeit“ nicht kommentieren. Erstmals als Verhandlungsführer in dem verhärteten Tarifkonflikt agierte Klaus-Dieter Klapproth, Chef des Kommunalen Arbeitgeberverbands Brandenburg.
Seit zwei Wochen streiken Service-Mitarbeiter des Klinikums, es geht um Bereiche wie den Hol- und Bringedienst. Gestritten wird über Verträge für etwa 520 Mitarbeiter, die in der Service-Tochter des kommunalen Unternehmens schon eingesetzt sind oder dahin noch überführt werden sollen. Die Beschäftigen fürchten eine Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen. Am Mittwochnachmittag hatten rund 100 Klinikangestellte für ihre Forderungen vor dem Stadthaus demonstriert und ihrem Ärger über die Haltung der Klinikumsleitung Luft gemacht.
Während der Demo hatte Verdi-Verhandlungsführer Georg Güttner-Mayer dem Klinikumschef Steffen Grebner vorgehalten, dass dieser auf Kosten von Beschäftigen sparen wolle, sich aber eine „Wellness-Oase“ in seinen Geschäftsräumen leiste – mitsamt Ledercouch, Kamin und Plasma-Fernseher. Laut Verdi sei dieser „Entspannungsraum“ schon seit Wochen Gesprächsthema bei den Beschäftigten des Klinikums, hieß es gestern auf PNN-Anfrage. Das Klinikum wies den Vorwurf der „Wellness-Oase“ zurück. Dies sei eine „irrwitzige Behauptung“, so Kliniksprecherin Damaris Hunsmann. Die Mitglieder der Klinikumsleitung verfügten zwar über einen „hochwertig“ ausgestatteten Besprechungsraum für Gespräche mit Lieferanten und Geschäftspartnern. Der Raum sei mit „modernster Konferenztechnik“ ausgestattet. Zugleich verwies Hunsmann auf die neuen Bereitschaftsräume für andere Mitarbeiter im Haus G des Klinikums. An deren Einrichtung – inklusive Plasma-Fernseher, Ledercouch, Computerplätzen und einer Küche – zeige sich die „Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern“, so Hunsmann.
Unterdessen hat der Potsdamer CDU- Landtagsabgeordnete Steeven Bretz der Stadtspitze in dem Tarifstreit ein „schlechtes Kommunikationsmanagement“ bescheinigt. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) müsse aktiv werden und dürfe die Situation nicht aussitzen, sonst würde der Arbeitskampf noch härter geführt, warnte der CDU-Politiker: „Das aber würde dem Ruf des Klinikums schaden.“ Ebenso drohe dem notwendigen Transformationsprozess des städtischen Unternehmens ein Rückschlag, so Bretz. Der Klinikleitung riet er, die Arbeitsbedingungen ihrer Beschäftigten nicht zu verschlechtern. Ein weiterer Streik sei auch angesichts anstehender Verhandlungen mit den Krankenkassen über das Budget für das Klinikum nicht ratsam, mahnte Bretz. Schon die Potsdamer Linke hatte gefordert, die Stadt solle als „neutraler Vermittler zwischen den Fronten wirken, um im Interesse aller die Wogen zu glätten“. HK