29.07.2009, 10:37 Uhr | MAZ

JUGEND: Wortwechsel zum „Freiland“-Projekt
Harder weist CDU-Kritik zurück

POTSDAM / TELTOWER VORSTADT - Trotz Grundsatzvotums der Stadtverordneten zur Errichtung eines „Freiland“-Jugendkulturzentrums entfacht sich mitten in der politischen Sommerpause Streit. Nach der Erklärung des stellvertretenden CDU-Kreisvorsitzenden und Landtagskandidaten Steeven Bretz, „Freiland“ bereite ihm „erhebliche Kopfschmerzen“, meldete sich gestern der Chef des Stadtjugendrings, Dirk Harder, mit einer Gegenrede.
Als „privat und ehrenamtlich agierender Sprecher des ,Freiland’-Projektentwicklungsteams“ wies Harder Bretz’ Behauptung zurück, dass es sich bei „Freiland“ um ein „Prestigevorhaben“ handele. „Das genaue Gegenteil“ sei „das Ziel“, so Harder: „Das ,Freiland’-Projekt ist ledigliche eine zwangsläufige Notwendigkeit in Bezug auf getätigte Fehler in der Jugendkulturarbeit der Stadt.“

Wie berichtet, soll nach den Plänen der „Freiland“-Initiatoren auf dem Gelände des Wasserbetriebes an der Ecke Friedrich-Engels-Straße/ Schlaatzweg Platz für den Jugendclub S 13, für den Spartacus e.V. und andere Nutzer geschaffen werden. Harder rechnet nach Fertigstellung des Areals mit 100 000 Besuchern pro Jahr, das entspricht in etwa den aktuellen Besucherzahlen des Waschhauses in der Schiffbauergasse.

Er wies auch Bretz’ Kritik an einer Beteiligung der Stadtwerke an dem Projekt zurück: Ein Engagement der Stadtwerke „für solch einen Zweck sei tausendmal besser als die Förderung tatsächlicher Prestigeprojekte ewiggestriger Politiker und Preußenliebhaber“, so Harder. „Wir, das Projektteam und die späteren Nutznießer, wollen in einer bunten und sozial verantwortungsvollen Stadt leben und nicht in einem Freilandmuseum.“

Bretz bekräftigte gestern, dass er „nichts gegen alternative Jugendkultur in Potsdam“ habe. Eine Beteiligung der Stadtwerke lehne er aber ab, „weil es ordnungspolitisch nicht Aufgabe der Stadtwerke“ sei, Jugendeinrichtungen zu finanzieren. Er warnte vor den Folgen für andere Jugendeinrichtungen: „,Freiland’ würde angesichts entstehender Folgekosten den Kampf und die ohnehin knappe Mittelverteilung weiter verschärfen.“

Patrick Hinz vom Arbeitskreis Alternative Jugendkultur in Potsdam (AJKP), das „Freiland“ in einem 13-Punkte-Plan für die Jugendkultur verankerte, kritisierte gestern, „dass unsere Ideen und Forderungen für den Wahlkampf verwendet werden. Ich finde es nicht in Ordnung, dass hier einige Diskrepanzen zwischen den Fraktionen und Politikern auf dem Rücken der Jugendlichen ausgetragen werden.“

Wie berichtet, beauftragten die Stadtverordneten den Oberbürgermeister im Juni per Votum ohne Gegenstimme, bis September eine Vorlage zur Umsetzung des Zentrums für selbstverwaltete Jugendkultur inklusive Finanzierungsplan vorzulegen. (Von Volker Oelschläger)