01.09.2009, 08:53 Uhr | H. Kramer

01.09.09 | PNN
Verwaltung wirbt für Freiland, Bretz: Folgefinanzierung unklar

Die Verwaltung hat dafür geworben, ein „Freiland“-Jugendzentrum in der Friedrich-Engels-Straße entstehen zu lassen – und weitere Details zu dem Vorhaben genannt. „Wir sind überzeugt, dass es ein selbst organisiertes Jugendzentrum geben muss“, sagte Sozialbeigeordnete Elona Müller gestern vor Journalisten.
 

Wie berichtet, hatte die Verwaltung Ende vergangener Woche ein Konzept vorgelegt, wie „Freiland“ umgesetzt werden könnte. Dafür werden Investitionskosten in Höhe von mehr als einer Million Euro veranschlagt. Als Voraussetzung für die Pläne stellen die Potsdamer Stadtwerke das Gelände ihres früheren Wasserbetriebs kostenlos zur Verfügung und geben zudem 440 000 Euro. „Der Aufsichtsrat der Stadtwerke geht dabei nach meinen Informationen mit“, so Müller gestern. Daneben kommen 500 000 Euro zusätzlich aus dem Kultur- und Sozialtopf der Stadt. Auf dem „Freiland“-Gelände soll sich damit der Jugendklub S13 ansiedeln können, ein Veranstaltungshaus für den Spartacus e.V. und andere Jugendvereine entstehen, dazu kommen Bandprobenräume und Graffitiflächen. „Wenn die Stadtverordneten zustimmen, könnten wir nächstes Jahr beginnen“, so Müller.

Gleichzeitig nahm sie Stellung zu bisherigen Unklarheiten – etwa auf welche Weise die Verwaltung eine bisher existierende Finanzierungslücke für den geplanten Zuschuss von 125 000 Euro geschlossen hat. Demnach kommt Geld aus der Projektförderung des Fachbereichs Kultur. Ebenso soll der derzeit geschlossene Jugendklub „Nowawes“ in Zentrum-Ost nach seiner Neueröffnung eine halbe Stelle weniger erhalten. Auch ist geplant, eine halbe Stelle aus dem Stadtjugendring (SJR) an Freiland anzudocken. Interessant daran: SJR-Chef Dirk Harder gilt als einer der aussichtsreichen Bewerber, um das Jugendareal dauerhaft zu betreiben – er hatte die ursprüngliche Idee auch entwickelt. Wie Sozialbeigeordnete Müller gestern erklärte, werde die Verwaltung nach derzeitigem Stand ein Interessenbekundungsverfahren durchführen, um einen Betreiber zu finden. Bevorzugt werde dabei ein Stiftungsmodell, um so auch die geplante finanzielle Unterstützung der Stadtwerke zu ermöglichen, so Müller.

Bei den Parteien geht derweil die Diskussion um „Freiland“ weiter. Die Linke kündigte an, aus dem Konzept für Freiland einen Dringlichkeitsantrag für die morgige Sitzung des Stadtparlaments zu machen. Potsdams SPD-Chef Mike Schubert nannte dies „Wahlkampf“-Getöse und mahnte zu einer genauen Prüfung des Vorhabens. Und Dauer-„Freiland-Kritiker Steeven Bretz (CDU) sagte, er könne nicht erkennen, dass die Folgefinanzierung des Projekts gesichert sei. Davor warnten gestern auch die Jungen Liberalen: Mit dem vorgelegten Papier sei eine weitere Pleite für Potsdams Jugendkultur vorprogrammiert, da über die notwendigen Einnahmen nur spekuliert werde.

Indes will die Verwaltung unter den Potsdamer Jugendlichen zwischen 14 und 27 Jahren eine repräsentative Befragung durchführen, um deren Bedürfnisse beim Thema Jugendkultur zu ermitteln. „Die Ergebnisse sollen empirische Grundlage für mittel- und langfristige Planungen bieten“, heißt es im aktuellen Rahmenkonzept Jugendkultur, über dass die Stadtverordneten in ihrer Sitzung am Mittwoch erstmals beraten. Die Idee ist nicht neu: Erst im Frühjahr hatte das Stadtparlament einen Antrag der Linken über eine solche Befragung abgelehnt, unter Verweis auf Kosten von rund 30 000 Euro.

Ein Beispiel für eine Umfrage lieferten indes am Wochenende Studenten vom Institut Erziehungswissenschaften der Universität Potsdam. Sie befragten 100 Jugendliche: 50 Prozent zeigten sich demnach unzufrieden mit dem derzeitigen Freizeitangebot, teilten gestern Heinrich Kanstein mit, einer der Initiatoren. Vor allem Diskotheken und Klubs sowie altersgerechte Sportangebote werden vermisst. „Die Befürchtungen vieler Jugendlicher ist zudem, dass mit ’Freiland’ zwar ein Raum für die Jugend geschaffen wird, dieser aber trotz gut gemeinten Absichten an den Bedürfnissen vorbei konzipiert wird“, so Kanstein – der deswegen jugendliche Mitsprache forderte.