21.11.09 | MAZ, Quelle: http://www.maerkischeallgemeine.de/ POLITIK: Die Redefalle, Erneute Debatte zum „Freiland“-Jugendkulturzentrum vor Eröffnung der Workshop-Runde
POTSDAM / TELTOWER VORSTADT - Die fast zwei Jahre anhaltende Debatte zu Wegen aus der Krise der Jugend- und Soziokultur geht in die nächste Runde. Am Dienstag wird es einen ersten von zwei Workshops geben. Politiker, Verwaltung und Praktiker sollen dort auch klären, ob die Stadt ein weiteres Jugendkulturzentrum braucht. Die Antwort scheint aus Sicht der Vertreter des Spartacus-Jugendkulturvereins und des S 13-Jugendclubs eindeutig, die seit der Schließung des Spartacus-Clubs in der Schlossstraße im Mai 2008 ein neues Domizil suchen. Mit dem alten Gelände des Wasserbetriebes an der Ecke Schlaatzweg/Friedrich-Engels-Straße schien eine Lösung gefunden. Im Februar legte der Chef des Stadtjugendrings Dirk Harder unter dem Titel „Freiland“ ein Konzept vor, nach dem auf diesem Areal nicht nur Spartacus und S 13 versorgt, sondern auch andere Probleme der Jugendkultur wie fehlende Graffitiwände und Bandprobenräume gelöst werden könnten. Die Stadtwerke als Grundstückseigentümer zeigten sich aufgeschlossen, im Juni fassten die Stadtverordneten einen Grundsatzbeschluss zum „Freiland“-Projekt. Bis September sollte die Verwaltung demnach eine „Beschlussvorlage“ zur Umsetzung des „Freiland“-Projektes inklusive der Finanzierung vorlegen. Die Verwaltung beließ es dann allerdings bei der fristgerechten Vorlage eine Konzeptes, das nun noch einmal in den Workshops diskutiert werden soll. Am Donnerstagabend luden Vertreter der Jugendkulturszene „Freiland“-Kritiker zu einer „Kreuzfeuer“-Diskussion auf das Gelände des Wasserbetriebes ein. Das von den Veranstaltern erhoffte Bekenntnis zu „Freiland“ kam auch nach zweistündiger Debatte vor rund 60 Zuschauern von keinem der drei Politiker. Brian Utting (FDP/Familienpartei) bezweifelte die Verbindlichkeit der von den Stadtwerken offerierten Zusage und verlangte die Prüfung weiterer Standorte. Harald Kümmel (SPD) bekräftigte zwar, die „Freiland“- Frage stelle sich für ihn nicht mehr. Als Finanzausschusschef zog er aber das Finanzierungskonzept in Zweifel und warnte vor ähnlichen Erfahrungen wie bei der Schiffbauergasse, der nach hohen Investitionen teils die Zielgruppen verloren gingen. Der stellvertretende CDU-Kreischef und Landtagsabgeordnete Steven Breetz erklärte, er sei nicht gegen alternative Jugendkultur, habe „aber etwas dagegen, wenn solche Sachen von einer Fraktion“ für den Wahlkampf verwendet werden. Er spielte damit auf die Erstvorstellung des „Freiland“-Projektes durch Linke- Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg an. Bretz bekräftigte seine Kritik an der Beteiligung der Stadtwerke. Hermann Voesgen, Leiter des Studiengangs Kulturarbeit an der Fachhochschule, warnte die anwesenden Jugendlichen schließlich vor einer durch die Politik gestellten „Falle“: Es bestehe die Gefahr, dass das „Freiland“-Projekt „zerredet“ werde – „auch in den Workshops“: „Es ist Zeit, zu handeln.“ (Von Volker Oelschläger)
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