24.02.10 | MAZ (Quelle: www.maerkischeallgemeine.de) ENERGIE: Solarbranche wettert gegen Kürzungen, Schwarz-gelbe Koalition einigt sich auf Absenkung der Förderung / Odersun eröffnet neues Werk in Fürstenwalde
POTSDAM - Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) blieb gestern vorerst nur die deutliche Kritik. „Ich halte diese Einigung ganz klar für falsch“, sagte der Minister zu Berichten, die Bundesregierung habe sich auf eine Kürzung der Solarförderung im Schnitt um 16 Prozent geeinigt (s. Kasten). Die Bemühungen der ostdeutschen Länder, wo die Solarindustrie ihren Schwerpunkt hat, würden somit zunichte gemacht. Christoffers hatte einen Vorschlag des thüringischen Wirtschaftsministers Matthias Machnig (SPD) mitgetragen, der sich für eine Senkung der Einspeisevergütung um nur neun Prozent ausgesprochen hatte. Der energiepolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Potsdamer Landtag, Steeven Bretz, hat der Linken daraufhin vorgeworfen, „doppelzüngig“ zu argumentieren. Ihre Form der Politik erwecke den „Anschein einer besonderen Form von Arglistigkeit“. Die Vertreter der Linken seien die ersten die protestierten, wenn Energieversorger wegen der Förderung die Strompreise erhöhten, so Bretz. Die Branche malte angesichts der Kürzungspläne, die letztlich noch vom Bundestag beschlossen werden müssen, gar eine Pleitenwelle an die Wand. Sollten diese „umgesetzt werden, drohen eine Insolvenzwelle und der Verlust Tausender Arbeitsplätze“, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft, Carsten Körnig. Die Branche appelliere an die Bundesregierung, den Produktionsstandort Deutschland durch eine Nachbesserung des Vorschlags „zu erhalten“. Die Industrie vor Ort bekräftigte ihre Kritik, die Kürzung sei zu hoch und komme zudem zu schnell. Angesichts des Entwicklungsvorlaufes großer Solarparks gefährde eine Absenkung schon zum Juli die Investitionssicherheit, sagte der Leiter des Berliner Büros von First Solar, David Wortmann. Das US-Unternehmen betreibt in Frankfurt (Oder) eine Solarmodul-Fabrik mit 600 Beschäftigten. Die geplante komplette Streichung der Förderung zur Errichtung von Solaranlagen auf Ackerflächen sei „genau das falsche Signal“, so Wortmann. Hier entstehende Großanlagen könnten zu einer Reduzierung der Subventionen beitragen. Dass auch unabhängig von einer üppigen Förderung die Solarindustrie entwicklungsfähig ist, belegte gestern die ebenfalls in der Mark fertigende Odersun AG. Das aus einem früheren Institut in Frankfurt (Oder) hervorgegangene Unternehmen produziert Solarmodule, die nach Kundenwünschen angefertigt und beispielsweise in Gebäude integriert werden können. Mitten in der Diskussion um Subventionsstreichungen eröffnete Odersun ein neues Fertigungswerk in Fürstenwalde (Oder-Spree) und stellte es gestern der Öffentlichkeit vor. „Uns freut eine Kürzung nicht“, so Sprecherin Korinna Penndorf gestern. Durch die Ausrichtung auf Kundenwünsche sei die Abhängigkeit von Subventionen aber nicht so ausgeprägt. Zudem könne man von anderen Trends, wie dem zum umweltfreundlichen Bauen, profitieren. Im Ursprungswerk in Frankfurt und in der neuen Produktionsstätte in Fürstenwalde werden Solarzellen in Form zuschneidbarer Folie gefertigt. Die können je nach Kundenwunsch zu biegsamen Modulen zusammengesetzt werden. „Die Anwendungen sind fast unendlich“, sagt Odersun-Vorstandschef Hein van der Zeeuw. So habe das Unternehmen etwa eine kreisrunde Solarstrom-Anlage für das Besucherzentrum der Sommerolympiade 2008 in Peking gebaut. Doch die Odersun-Produktion erlaubt ebenfalls eine Art Serienfertigung. So nehmen zum Teil Fassadenbauer Solarmodul-Varianten in Standard-Formen in ihr Bauteileprogramm auf. Das neue Werk in Fürstenwalde soll stufenweise wachsen. Zunächst wurden zwei Poduktionslinien gestartet, zwei weitere sollen im zweiten Quartal hinzukommen. 2011 ist dann die Fertigung mit sechs Linien geplant. Die Zahl der Beschäftigten soll von derzeit 60 auf etwa 130 Ende des kommenden Jahres steigen. (Von Gerald Dietz)
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