FDP-Kreischef Marcel Yon zufolge soll das Rechtsamt für die Verzögerungen verantwortlich sein. "Das ist inakzeptabel. Der Fachbereich war schon mehrfach der Flaschenhals, wo es sich staut. Er gehört unter die Lupe", so Yon. Auch CDU-Vizekreischef Steeven Bretz übt scharfe Kritik: "Die Stadt handelt gegen die Beschlusslage. Das verurteile ich auf das Schärfste." SPD-Partei- und Fraktionschef Mike Schubert fordert ebenfalls Planungssicherheit von der Verwaltung: "Die Hängepartie muss endlich ein Ende haben."
In das Immobilienprojekt der katholischen Marienschule kommt endlich Bewegung. Nach Kritik von Politikern, Kirche und Förderverein der Schule, hat Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) veranlasst, dass dem Erzbistum Berlin am Mittwoch ein Kaufvertragsentwurf zugestellt wurde.
Er betrifft das Gebäude des früheren Espengrund-Gymnasiums im Stadtteil Griebnitzsee, dessen Räume die Schule bereits für den Unterricht gemietet hat. Das teilte die Stadtverwaltung Potsdam mit. Zudem habe die Stadt ein Verkehrswertgutachten in Auftrag gegeben, das am 7. August vorliegen solle.
Vertreter von SPD, CDU und FDP hatten zuvor gerügt, dass die Stadtverwaltung dem Erzbistum als Schulträger die bereits vor Monaten zugesagten Vertragsunterlagen bislang nicht zugesandt habe. Dies gefährde nach Angaben des Erzbistums das Schulprojekt, weil mit notwendigen Bau- und Sanierungsarbeiten erst nach einem Kauf begonnen werden könne.
Der Förderverein der Marienschule hatte den Behörden am Dienstag vorgeworfen, Entscheidungen zur Zukunft der Schule zu verschleppen. Trotz einer Zusage der Stadt im Januar, das derzeit genutzte Schulgebäude an das Erzbistum Berlin als Träger der Marienschule zu verkaufen, sei nichts passiert.
Derzeit lernen an der Marienschule rund 50 Schüler in einer ersten und einer siebten Klasse. Sie ist zugleich Grundschule und Gymnasium. Fördervereinsvorsitzender Matthias Nowak sieht die Schule als Opfer der Bürokratie. Lange Zeit habe man versucht, den Vorgang ohne Aufsehen zu beschleunigen. "Doch unsere Angelegenheit ist hin und her geschoben worden. Offenbar fühlt sich niemand verantwortlich", sagt Nowak. Er persönlich sehe darin "ein weiteres Mal die Inkompetenz dieser Verwaltung". Mittlerweile gerate der Investitionsplan der Schule ins Rutschen. Nowak zufolge können Bauaufträge in Höhe einer "siebenstelligen Eurosumme" nicht ausgelöst werden, weil die Planungssicherheit fehlt.
Das Erzbistum und der Förderverein wollten bereits in den Sommerferien das Schulgebäude innen wie außen teilweise umbauen. Da die Planungen auch die benachbarte staatliche Grundschule einbeziehen, rechnet Vereinschef Nowak auch dort mit Problemen. "Es geht alles zu Lasten der Kinder und sorgt für Chaos", beklagt er. Verein und Erzbistum rechnen bereits jetzt mit zusätzlichen Kosten. Da im Herbst zwei weitere Klassen eröffnet werden sollen, muss auch ein größeres Ausweichquartier für die Bauzeit finanziert werden. Diese sei zudem im Herbst und Winter wegen des Wetters risikoreicher und meist teurer.
Die Verwaltung räumte auf Nachfrage der Berliner Morgenpost Probleme ein. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) bedauerte den Vorgang: "Bedauerlicherweise gab es innerhalb der Verwaltung Abstimmungsschwierigkeiten, die zu einer Verzögerung geführt haben. Ich hoffe aber, dass so bald wie möglich Rechtssicherheit besteht und mit den Sanierungsarbeiten an der Marienschule begonnen werden kann."
Politisch unterstützt wird die Schule dem Förderverein zufolge vor allem von CDU/ANW, SPD und FDP/Familienpartei - sie bilden mit den Bündnisgrünen die "Mehrheitskooperation" im Potsdamer Stadtparlament. Dass die Pläne der Schule dennoch ins Stocken geraten, findet Nowak bedenklich: "Eigentlich soll die Politik die Verwaltung lenken. In Potsdam scheint das andersherum zu laufen."
FDP-Kreischef Marcel Yon zufolge soll das Rechtsamt für die Verzögerungen verantwortlich sein. "Das ist inakzeptabel. Der Fachbereich war schon mehrfach der Flaschenhals, wo es sich staut. Er gehört unter die Lupe", so Yon. Auch CDU-Vizekreischef Steeven Bretz übt scharfe Kritik: "Die Stadt handelt gegen die Beschlusslage. Das verurteile ich auf das Schärfste." SPD-Partei- und Fraktionschef Mike Schubert fordert ebenfalls Planungssicherheit von der Verwaltung: "Die Hängepartie muss endlich ein Ende haben."